„Du bist doch nur wegen deinem Freund konvertiert“
„Du trägst ja gar kein Kopftuch“
„Wirst du nicht gezwungen es zu tragen?“
Das sind so die typischen Fragen die mir sehr gerne gestellt werden & zu denen ich mich jetzt gerne äußern würde.
Ja ich bin zum Islam konvertiert & ja ich bin glücklich😊
In meiner Anfangszeit, als ich zum Islam konvertiert bin, hatte ich große Schwierigkeiten mich über den Islam und wie ich dazu stehe zu äußern. Zum einen, weil ich es selbst noch nicht ganz verstanden habe was in meinen Kopf vorgeht und zum anderen weil es für mich eine ganz neue Situation war. Ich war eine sehr zurückhaltende Person und war mit solchen Fragen wie „bist du konvertiert & warum ?“ schon überfordert. Im Nachhinein sind mir natürlich immer die perfekten Antworten in denn Sinn gekommen, doch da war es zu spät, kennt ihr das ? Ich war froh wenn man mich mit dem Thema alleine ließ und ich in Ruhe den Islam kennen lernen konnte.
Mir war klar, dass man so eine Entscheidung erst treffen sollte, wenn man sich zu 100 prozent sicher ist. Das war ich mir auch, ich war nur nicht bereit darüber zu sprechen. Ich war noch sehr jung und denke, dass das ein zusätzlicher Faktor für mein Verhalten war.
Mittlerweile bin ich froh, wenn man mir eine direkte Frage stellt. Dann hab ich die Chance mich dazu zu äußern und meine Ansicht zu schildern. Ich kann den Vorurteilen entgegenwirken und Klarheit schaffen. Ich bin ja deswegen kein anderer Mensch. Ich bin immernoch dieselbe Jenni wie davor & ich bin glücklich dass meine Familie und Freunde auch so empfinden. Bei manchen Freunden ist es gar kein Thema es wird nicht mal darüber gesprochen & andere reden mit mir sehr offen darüber, für beide bin ich sehr dankbar.
„Du bist nur wegen deinem Freund konvertiert“
Nein, ich bin nich wegen oder für meinen Freund konvertiert.
Wie bist du dann zum Islam gekommen?
Ich bin zwar nicht wegen Ihm konvertiert, sondern bin durch ihn oder dank ihm zum Islam gekommen. Als ich meinem Partner kennenlernte war ich gerade in einer schwierigen Phase in meinem Leben. Es war die Phase, wenn es zu Hause nicht mehr funktioniert hat & man sich als teenager unverstanden fühlte und seinen Halt verkrampft in den falschen Freundeskreisen sucht. Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht & habe mich gerade von den schlechten Kreisen meines Lebens getrennt. Ich ging in eine weiterführende Schule und traf dann meine Liebe. Auf den Papieren stand ich wäre röm. katholisch, jedoch war ich alles andere als religiös. Ich war vom Christentum nie ganz überzeugt & muss auch gestehen, dass in diesem Alter auch kein großes Interesse herrschte. Aber als ungläubig hätt ich mich nie bezeichnet. Ich glaubte an eine Höhere Macht & an das alles vorherbestimmt ist.
Mein Partner ist gebürtiger Muslim, doch für mich war es damals nie ein Thema, welcher Religion meine Freunde angehören. Ich bin in einer Siedlung aufgewachsen, in der ziemlich alle Freunde von mir mit migrantischem Hintergrund waren.
Es war damals mein eigenes Interesse. Ich war sehr neugierig & wollte wissen an was mein Partner glaubt. Ich wollte ihn kennenlernen. Ich wollte verstehen, wie ein Mensch nur so geduldig und warmherzig sein konnte so einen Seelenfrieden in sich tragen konnte. Wenn er über den Islam sprach, gab er mir das Gefühl, dass er zu 100 prozent überzeugt ist und er die Wahrheit spricht. Ich hörte ihm jedes Mal aufmerksam zu und spürte wie das Funkeln seiner Augen auf meine übertragen wurden. Für mich war es so faszinierend, ich konnte nicht genug davon kriegen. Eine Religion voller Liebe und Geborgenheit. Alles was ich zuvor Krampfhaft in den falschen Kreisen suchte , gab mir der Islam.
Eines Tages hab ich ihn gefragt ob er mir einen Quran besorgen könne & das hat er direkt gemacht. Als ich begann den Quran zu lesen, erfasste mich ein unbeschreibliches Gefühl. Ich kann es bis heute nicht richtig beschreiben was ich damals fühlte. Es war als würde plötzlich alles einen Sinn ergeben. Ich muss zugeben, das meiste fiel mir schwer zu verstehen, doch die 1. 2 Seiten habe ich direkt verstanden. Je mehr Seiten ich las, desto mehr Fragen stauten sich in mir. Ich begann die Fragen aufzuschreiben & dann nachzufragen. Irgendwann merkte ich, dass man nicht alles hinterfragen muss um an etwas zu glauben. Ein paar Wochen später habe ich mich dazu entschieden zu konvertieren. In dem Moment, als ich die Schahada (Glaubensbekenntnis) gesprochen habe, kamen mir die Tränen. Ich konnte mein Gefühl nicht zuordnen. Es war als hätte sich die ganze Last, die sich zuvor angestaut hat, von mir gelöst & ich war ein neuer Mensch. Ich war so erleichtert, denn seit Wochen war es mein Wunsch und dann hab ich es einfach gemacht. Ich fühlte mich in meinem Leben endlich wieder willkommen. Ich werde bis heute von jedem immer so herzlich Willkommen geheißen und behandelt.
Ich habe es niemandem erzählt.
Erst nachdem ich konvertiert bin, habe ich es meiner besten Freundin & meinem Partner erzählt. Für den Anfang reichte mir, dass nur die beiden eingeweiht waren. Step by step wurden immer mehr eingeweiht mittlerweile wissen es die meisten in meinem Umfeld & darüber bin ich sehr glücklich. Meine Eltern wussten lange nicht bescheid. Mit der Zeit haben sie es gemerkt, weil sie in meinem Zimmer die ganzen Bücher sahen. Mit meinem Vater habe ich bis dato nicht richtig darüber gesprochen, da es nicht in seinem Interesse liegt. Er lebt da ganz nach dem Motto leben und leben lassen. Meine Mutter ist da gleich eingestellt, obwohl von ihr schon etwas mehr Interesse rüber kommt. Ich denke sie sind noch ziemlich gelassen, weil ich kein Kopftuch trage. Meine konvertierten Sisters wissen bescheid. „Solange du mit keinem Kopftuch nach Hause kommst, ist alles gut.“ Konnte ich mir & ich gehe davon aus viele andere Mädchen auch anhören. Wer mich im Gegenzug sehr positiv überrascht hat, ist meine Schwester. Mit ihr kann ich offen über alles sprechen und das schätze ich sehr.
„Du trägst ja gar kein Kopftuch“
„Wirst du da nicht gezwungen dich zu bedecken“
Zu ersten Aussage: Nein ich trage kein Kopftuch. Man sollte die Menschen nicht durch ihr äußeres Erscheinungsbild verurteilen, wenn man sie nicht kennt. Keiner ist Perfekt, jeder hat seine eigenen Macken und Fehler mit denen er leben muss. Nicht jeder Mensch ist gleich und muss an den selben Dingen arbeiten.
Nun also zu der Frage ob ich gezwungen werde mich zu bedecken: Nein, im Islam wird jeder Mensch mit Respekt behandelt & niemand wird zu etwas gezwungen. Der Islam ist eine Religion voller Liebe und Geborgenheit, es darf niemand verurteilt werden. Es ist nicht unser Recht über jemanden schlecht zu reden oder zu urteilen. Jeder lebt den Islam wie er es möchte und jeder in seinem Tempo, ob er damit eine Sünde begeht oder nicht, hat uns nicht zu interessieren. Viel mehr sollten wir vor unserer eigenen Türe kehren und versuchen an unseren Fehlern zu arbeiten.
Wenn ihr mehr über mein Leben als Muslimin erfahren wollt hinterlasst mir gerne eine DM auf Instagram. Freue mich immer über jede Nachricht 🙂
Ich hoffe dieser etwas andere Blogbeitrag hat euch gefallen und ich konnte etwas Klarheit schaffen. 💞